Photoshop analog


Bilder aus vergangenen Zeiten mit Trambahnen zu finden, ist eine schwierige Aufgabe. Dazu durchsieben wir Nachlässe und Archive und wir suchen auch in alten Ansichtskarten-Beständen. Das kann sehr schwierig sein, aber auch sehr amüsant und davon will ich heute mal erzählen.

Dieser Blick auf den Marienplatz ist wohl bekannt und berühmt. Aber den damaligen Fotografen und Postkarten-Verlagen gefielen dann doch manche Details nicht so und man retuschierte auf den Bildplatten, was das Zeug hielt. Damals ging das hauptsächlich mit kleinen Messerchen und Glaspinseln auf den Glasplatten und Acetat-Negativen vor sich, mit verschieden deckenden Retusche-Lack und mit Lack-Stiften. Und schnell war ein Hinterstellgleis neben dem Fischbrunnen erfunden, das es in Wirklichkeit nie gab.

Dieses Bild zeigt um 1900 den Mischbetrieb von gerade neu eingeführter elektrischer Trambahn am Hauptbahnhof auf der gemeindlichen Linie nach Giesing und der letzten Pferdebahn-Linie vor dem Telegraphenamt.

Um diese Aufnahme auch im 20.Jahrhundert noch vermarkten zu können, ohne eine sehr altmodisch anmutende Pferdebahn zu zeigen, retuschierte man im Jahr darauf einfach das Pferd aus der gleichen Aufnahme weg und schon sieht es modern aus.

Das war kein Einzelfall: auf dieser Ansichtskarte des Stachus stehen zwei Pferdebahn-Wagen einfach so auf den Schienen: die Pferde wurden wegretuschiert, links kann man sogar noch einen Schatten des Pferdes erahnen.

Gleiche Perspektive, anderes Bild und wieder ohne Pferd vor der Pferdebahn.

Diese Serie könnte man gut fortsetzen mit Postkarten, die damals nachkoloriert wurden und gelbe und rote Trambahnwagen zeigen und so weiter. Trotzdem: alle Aufnahmen sind sehr schön und zeigen viele historische Details, auch wenn man damals wie heute keinem Bild trauen darf.

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