Der Imperial-Wagen

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Ein Unikat blieb der 1877 angeschaffte "Imperialwagen". Er war der einzige Doppelstockwagen der München Trambahngeschichte, - Doppelstock-Busse gab es allerdings in München schon. Hergestellt wurde dieser Wagen wie alle anderen bis 1882 gebauten Pferdebahn-Wagen von Henry Plas, einer Wagenschmiede in Curegham bei Brüssel. Der Betreiber der ersten Pferdebahn war zu dieser Zeit der Belgier Édouard Otlet, der diesen einheimischen Konstrukteur bevorzugte. Der Wagen war 7,30 Meter lang, 3,70 Meter hoch und 2 Meter breit. Er bot 44 Fahrgästen einen Sitzplatz und es gab 16 Stehplätze. Nach seinem Umbau und Entfernung des Dachabteils gab es noch 22 Sitzplätze und 16 Stehplätze. 

Die ursprünglich zur Federung des Wagens verwendeten Gummizylinder wurden wie bei allen anderen Pferdebahnwagen schnell als zu hart empfunden, weshalb man von 1885 bis 1886 Spiralfedern einbaute. An beiden Enden hatte der Imperialwagen Aufstiegstreppen und war länger als die bisher eingesetzten Wagen. Eine gute Beschreibung findet man im Abnahmeprotokoll dieses Wagens aus dem Staatsarchiv München.

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Die Polizeidirektion hatte schon bei der angekündigten Anschaffung des Imperialwages einige Vorschläge und Anmerkungen.

12.07.77 ad No 38020 und 36792

I. Akten-Vormerkung.

Die heutige com̅ issionelle Besichtigung des neuen Tramway-Wagens mit Impériale hat im Allgemeinen ein befriedigendes Resultat ergeben. Der Wagen ist ca. 7,30 M lang, 3,70 M hoch und 2 M breit. Der Fond des Wagens ist sehr schön und zweckmäßig gebaut, nur dürfen die beiden Vordächer an den Holzgeländern etwas höher angebracht sein. Auch die auf den oberen Theil des Wagen’s führenden Stiegen sowie die dort
angebrachten Sitzplätze sind im Allgemeinen entsprechend, nur erscheint die Erhöhung der nach außen angebrachten Geländer um 20 Centim. Sowie die Anbringung eines Holzbrettes geboten. Die Bäume von Promenadenplatze wachsen jedoch soweit auf die Fahrbahn der Tramway über, daß die auf dem Impériale sitzenden Passagiere gefährdet werden. Es ist daher im Interesse der Sicherheit des Publikum’s nothwendig, daß die nach der Außenseite überragenden Aeste entsprechend ausgeschnitten werden.

II. An die Tramway-Direction dahier.

Die gestr. stattgehabte com̅ issionelle Besichtigung des neuen Tramway-Wagen’s mit Impériale hat ergeben, daß der Fond desselben sehr schön u. zweckmäßig gebaut ist; nur wäre wünschenswerth, daß die beiden Vordächer
vor den Sitzplätzen höher angebracht würden, was bei den neu anzuschaffenden Wägen berücksichtigt werden wolle. Auch der obere Theil des Wagens, sowie die dahin führenden stiegen sind im Allgemeinen zufriedenstellend, jedoch erscheint im Interessse der Sicherheit der Passagiere die Erhöhung des um die Außenseite des Wagens herumführenden Geländer’s um 20 Centimeter u. die Anbringung eines Fußbrettes geboten, was bin̅en 4 Wochen bethätigt werden wolle. Unter dieser Bedingung wird jedoch nicht beanstandet, den fraglichen Wagen sofort in Betrieb zu setzen, hiebei aber auf genauen Vollzug des § 6 der ortspolizeilichen Vorschriften vom 21. Septbr. vor. Js aufmerksam gemacht u. schließlich noch bemerkt, daß selbstverständlich Frauenspersonen der Zutritt auf den oberen Theil des Wagens (Impériale) nicht gestattet werden darf,
worauf das Betriebspersonal geeignet anzuweisen ist. III.

An den Magistrat der k. Haupt- & Residenzstadt München. Ich beehre mich nachstehend Abschrift von der unterm Heutigen an die Tramway-Direction dahier ergangenen Verfügung zur gefälligen Kenntnißnahme und mit dem ergebenen Ersuchen mitzutheilen, gefällige Anordnung treffen zu wollen, daß die an den Alleebäumen am Promemadeplatz auf dieTramway-Bahn überhängenden Zweige entsprechend ausgeschnitten werden.

IV. Zum Rapport. V. Ad acta

Maximilian von Feilitzsch

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Am 19. Juli 1877berichtete die Münchner Gemeindezeitung über den Imperialwagen.

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Das in diesem Akt angesprochene Problem betraf die Nordseite des Promenadeplatz: während die Südseite Baum-frei ist, ragen bei den Gleisen der nördlichen Seite Äste in den Gleisbereich, was für den Imperialwagen ungünstig war. 

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Kein Trambahnbetrieb ohne Vorschriften: § 30 verbietet es den Damen, auf dem Oberdeck des Imperialwagens Platz zu nehmen.

Der 1877 gebaute lmperialwagen wurde 1900 wegen der fortschreitenden Elektrifizierung zum Eindecker umgebaut. Das Oberdeck war zu nah an der Oberleitung und das erschien zu gefährlich. Ausserdem endete der Pferdebahn-Betrieb in diesem Jahr. Nach Unterlagen aus dem Rechnungsjahr 1903/04 wurde der Imperialwagen abgeschrieben und verschrottet, da er auch wegen seiner Überlänge als Anhänger für den elektrischen Betrieb nicht geeignet war. In den Kurven scherten die Plattformen zu weit aus.