Wo kommt der Pufferwagen der HW her?

 

Das Fahrgestell ist eindeutig ein UF 23 Brill 21 E kurz. Aber wo kommt es her?

In München wurden 1905 8 Brill 21 E kurz Fahrgestelle UF 23 beschafft und unter folgende Triebwagen montiert:

 

Z 1.23  363 – 368  6 Stück

Z 2.23  369 – 370  2 Stück

 

1921 wurden fünf Z 1.23 und zwei Z 2.23 Triebwagen in Beiwagen umgebaut.

 

z 1.23  363, 364, 366 – 368

z 2.23  369 – 370

 

z 1.23  365 soll 1922 in den u 1.23 Nr. 88 umgebaut worden sein, was nachweislich, durch Fotos belegt, nicht stimmt. Der Umformerwagen Nr. 88 war bereits 1921 umgebaut (auch durch Bild belegt) und hatte da ein Schuckert UL 31 Untergestell.

 

Die Fahrgestelle der z 1.23 Beiwagen Nr. 363, 364 und 366 wurden 1928 zum Bau der drei Turmwagen  t 2.23 Nr. 894 – 896 verwendet und sind hier auch bildlich nachgewiesen.

 

Allerdings schreibt Schattenhofer, dass der z 1.22 Beiwagen Nr. 355 seit einem unbekannten Zeitpunkt ein z 1.23 mit UF 23 gewesen sei und erst 1924 das UF 22 Fahrgestell des z.2.23 Nr. 369 bekommen habe. Daher sei der z. 2.23 Nr. 369 seit unbestimmter Zeit ein z 2.22 mit UF 22 (Union) gewesen und erst 1924 wieder zum z 2.23 mit UF 23 umgebaut worden. Aber auch mit dieser Tauschaktion ist das Brill 21 E Fahrgestell des u 1.23 (korrekt u 1.31 da Schuckert Untergestell) Nr. 88 zum Zeitpunkt 1921/22 nicht nachgewiesen. Daher liegt die Vermutung nahe, dass das UF 23 des Z 1.23 Triebwagens Nr. 365 zwar 1921 ausgebaut wurde, aber dann in einen dringend benötigten Pufferwagen für die HW umgebaut wurde.

 

Dieser nummernlose (?) Wagen besitzt auf beiden Seiten eisenbahnähnliche Puffer an einer Pufferbohle und jeweils eine Schraubenkupplung und zusätzlich eine damals übliche Trambahnkupplung für einen Trambahntriebwagen.

Nachdem die neue HW zwischen 1923 und 1924 von der Städtischen Straßenbahn bezogen wurde und die Straßenbahn über keine eigene Rangierlok für Eisenbahnwagen verfügte, stellte sich die Frage, wie man die vom Gleisanschluss der Reichsbahn  zugestellten Eisenbahngüterwagen in der HW rangieren und z.B. zu den Entladegleisen beim Gleislager befördern sollte. Da die Eisenbahnwaggons zwar grundsätzlich die gleiche Spurweite aufweisen, jedoch über Eisenbahnpuffer und Schraubenkupplung und nicht über eine Trambahnkupplung verfügen, lag der Bau eines Pufferwagens für die HW nahe.

©  Archiv FMTMeV.

Andere Betriebe lösten ähnliche Probleme mit dem Bau eigener Tram-Rangierlokomotiven durch Umbauten alter Zweiachser, wie z.B. die Bremer Straßenbahn. Aber auch mit dem Münchner Pufferwagen war der Verschub der Güterwagen im HW Gelände durch normale Arbeitstriebwagen problemlos möglich. Damals wurden praktisch alle Materialien und Ersatzteile auf der Eisenbahn transportiert, ein Eisenbahnanschluss war daher für die HW lebensnotwendig.

Aufnahme Dieter Kubisch

Erst mit dem Umbau des E 1.8 Triebwagens Nr. 587 zum Werkstattwagen W 12.8 Nr. 75 (später 2952) im Jahr 1963 verfügte auch die Münchner Tram über einen eigenen Rangiertriebwagen, der auf einer Seite über Eisenbahnpuffer und Kupplung verfügte. Damit wurde der alte Pufferwagen dann überflüssig und wohl verschrottet. Der W 12.8 Nr. 2952 wurde nach seiner Ausmusterung 1973 an das Deutsche Straßenbahnmuseum in Sehnde bei Hannover abgegeben, wo er nach einigen Jahren schließlich verschrottet wurde. 

Aufnahme Dieter Kubisch

Nach Ausmusterung des W 12.8 Nr. 2952 im Januar 1973 wurde der Bahnhofswagen G 1.8 Nr. 2975 mit den Eisenbahnpuffern und Kupplung ausgestattet . Er diente allerdings nur etwa eineinhalb Jahre lang als Rangierwagen. Es stellte sich bald heraus, dass sein Zustand zu schlecht für den belastenden Einsatzzweck war und so ersetzte man ihn ab Juli 1974 durch das besser erhaltene Schwesterfahrzeug 2973. Unser Bild entstand am 25.4.1973.

Aufnahme Peter Wagner

Nach Ausmusterung des G 1.8 Nr. 2975 im Juli 1974 wurde der Bahnhofswagen G 1.8 Nr. 2973 mit den Eisenbahnpuffern und Kupplung ausgestattet . Dieses Fahrzeug ist nach seiner Abstellung im Münchner Trambahnmuseum erhalten geblieben.

Aufnahme Dieter Kubisch

Ab und zu müssen sich auch Trambahnen die Füsse vertreten vom dauernden Rumstehen im Museum: der 2973er auf freier Wildbahn im Gänsemarsch mit seinen Kollegen neben dem MVG-Museum am 13.7.2018.

Damit ist aber das Rätsel des Brill 21 E Fahrgestells, das angeblich ab 1926 nach dem zweiten Umbau des Umformerwagens u 1.31 Nr. 88 in den Werkstattwagen w 1.23 Nr. 902 (später 904) eingebaut worden sein soll, noch nicht geklärt. Die z 1.23 und z 2.23 Beiwagen sollen erst 1938 ausgemustert worden sein. Daher stimmt entweder das Umbaudatum des w 1.23 nicht mit dem Zeitpunkt des Einbaus des Brill 21 E Fahrgestells überein, oder ein z 1.23 oder z 2.23 Beiwagen wurde deutlich vor 1938 ausgemustert und sein Fahrgestell dann in den w 1.23 eingebaut. Vom Werkstattwagen w 1.23, der grundsätzlich auch ein Umformerwagen für Schienenschweißungen war, ist bisher nur eine Skizze mit dem Brill 21 E Fahrgestell bekannt, Bilder dieses Fahrzeugs wurden bisher nicht gefunden. Allerdings wurde er spätestens 1940 als Umformerwagen durch straßenfahrbare Schweißumformer ersetzt und in einen Transportwagen umgebaut. 1942 wurde er in den  Niederbordwagen w 2.23 umgebaut, der dann 1943 als Kriegsverlust ausgemustert wurde.

 

 

Autor: Dieter Kubisch

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