Betriebshof in der Türkenstraße 77

Weitgehend unbekannt ist der Betriebshof der MTAG an der Türkenstraße 77. Wir haben ihn lange gesucht und recherchiert und haben ihn schließlich in alten Akten der Lokalbaukommission gefunden. Er war allerdings ohne Gleisanschluss und nur als Stallung genutzt.

Neue Strecken brauchen natürlich auch neue Betriebshöfe. Allerdings waren damals hauptsächlich Stallungen gefragt, denn die Pferde mussten alle 2 Stunden ausgewechselt werden. Im Bieterverfahren um die Münchner Pferdebahn war der Tramcar-Betreiber Zechmeister ausgeschieden. Seine Stallungen befanden sich in der Türkenstraße 77, heute Türkenstraße 22. 1882 benutzte die MTAG diesen Stall für 14 Pferde. Die Nähe zur Theresienstraße war ideal. Die Stallung in der Türkenstraße wurde jedoch nach Vereinigung der Linien Promenadeplatz-Adalbertstraße und Promenadeplatz-Grünwaldpark im August 1890 aufgegeben, da von da an die gesamte Linie durch das Depot Nymphenburger Straße betrieben wurde.

Manche Pläne aus den Archiven sind gewöhnungsbedürftig: dieser Plan vom 1865 zeigt die Stallungen des H. Zechmeister in verschiedenen Ansichten.

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Dieses Bild vom Ende des 19. Jahrhunterts zeigt die Kreuzung der Gabelsbergstraße mit der Türkenstraße, der Blick geht nord-ostwärts mit der St. Markus Kirche. Zum Aufnahmedatum war die Ostseite der Türkenstraße in diesem Bereich schon mit Zäunen abgedeckt. Dahinter stehen die Gebäude und ein paar Meter weiter links, leider nicht im Bild, wären die Stallungen der H. Zechmeister jun. gewesen. Aber es gibt einen guten Eindruck, wie diese Stallungen wohl ausgesehen haben. 

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Ein Vergleich mit einem Bild von 2010 an der gleichen Stelle Zeit eine deutliche Veränderung der Struktur dieses Viertels. Der Krieg hat hier tiefe Wunden hinterlassen und die Nachkriegszeit mit Bodenspekulation hat dann den Rest erledigt.

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Gegenüber in der Türkenstraße war damals die große Prinz Arnulf Kaserne. Heute ist nur noch ein kleiner Teil des Tores des Mittelbaus erhalten, zu sehen an der Türkenstraße, also auf der anderen Seite der Kasernengebäudes in der Bildmitte. Fast genau gegenüber dieses Tores war die Einfahrt zu den Liegenschaften der H. Zechmeister und seiner Söhne, die Stallplätze damals an die Pferdebahn vermieteten.

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