Die Münchner Pferdebahn von 1876 bis 1882

Die engagierten ausländischen Investoren für die Pferdebahn waren die
„Societé Generale des Tramways“ und Edouard Otlet aus Brüssel, der als
Rechtsnachfolger der Internationalen Pferdeeisenbahn-Gesellschaft Berlin
auftrat und bereits die Bahnen in Prag und Wiesbaden erfolgreich gebaut
hatte.152 Am 26. März 1876 schloss der Erste Bürgermeister von Erhardt und
der Magistrat mit Otlet einen Vertrag über dreißig Jahre für den Bau eines
Liniennetzes mit zwei Linien.153 Es waren eine Ost-West-Linie und eine
Nord-Süd-Linie geplant, die zum einen das Nymphenburger Schloß mit dem
Bahnhof in Haidhausen, über den Stiglmaierplatz, Hauptbahnhof, Stachus,
Sendlinger-Tor-Platz, Gärtnerplatz und Ludwigsbrücke und zum anderen
Schwabing mit der Theresienhöhe, über die Leopold- und Ludwigstraße, den
Odeons- und Maximiliansplatz zum Promenadeplatz verbinden sollten. Da
zum Bau und Betrieb der Bahn außerhalb der Burgfriedensgrenze nach
Nymphenburg und Schwabing die Genehmigung Dritter, nämlich der
Grundbesitzer, einzuholen war, schrieb der Vertrag Otlet vor, die Linien
zunächst innerhalb der Stadtgrenzen fertigzustellen und sich unterdessen
um Konzessionen für die anderen Wegstrecken zu bemühen.154 Die Bahnen
sollten im Zehn-Minuten Takt verkehren, und an den Bahnhöfen musste für
die Reisenden der Anschluss an die Züge gewährleistet sein. Für die
Benutzung des städtischen Grundes sollte ein Prozent der Bruttoeinnahmen
an die Stadt gezahlt werden

Im Jahr 1878, nachdem Otlet das vertraglich vereinbarte Straßenbahnnetz
vollendet hatte, gründete er die belgische Gesellschaft „Sociète anonyme
des Tramways in Munich“ in Brüssel, welcher er alle Rechte und Pflichten
der Münchner Gesellschaft übertragen wollte. Der Münchner Magistrat
billigte diesen Schritt allerdings nicht, da er das investierte Aktienkapital als
zu hoch bewertete und vielleicht auch, weil er begriffen hatte, was für eine
Verbesserung der Münchner Verkehr durch die Bahn erfahren hatte.
Außerdem war die ausländische Gesellschaft, deren Inhaber Herr Otlet so
gut wie kein Deutsch verstand und deren Direktor Herr Treize-Drens aus
Frankreich nur gebrochen Deutsch sprach, wenig beliebt.191 Der Magistrat
forderte die Auflösung der Gesellschaft und an Stelle dieser die Einrichtung einer bayerischen Gesellschaft mit dem Sitz in München.192 Die Münchner
Gesellschaft verpflichtete sich in dem Vertrag mit der Stadt dazu, das
Liniennetz zu erweitern und visierte dafür zwei Bauetappen in den Jahren
1882/83 und 1888 bis 1897 an.193 Durch diesen Vorgang schritt der
Kommunalisierungsprozess der Straßenbahn weiter voran.

Am 21.10.1876 Betriebseröffnung der Münchener Tramway Ed. Otlet
Am 25.2.1878 an die Societe Anonyme des Tramways de Munich übergeben

Der Start des Pferdebahn-Betriebs am 21.Oktober 1876 begann mit 48 Pferden, die 8 geschlossene Wagen zogen. Schon am 25. Februar 1878, als der Betrieb an die Societe Anonyme des Tramways de Munich übergeben wurde, erledigten 146 Pferde die Betrieb mit  27 geschlossenen Wagen und 6 offenen sogenannten "Sommerwagen". Dazu kam der Imperialwagen, ein Doppelstockwagen, der allerdings einmalig in der Münchner Trambahngeschichte blieb. bis zur Übergabe an die MTAG am 1. August1882 gab es 198 Pferde bei der Pferdebahn, die 36 geschlossene Wagen, 2 halboffene Wagen und 16 offene Sommerwagen zogen. 

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