Stichgleis Schwabinger Krankenhaus

Das Schwabinger Krankenhaus wurde von seiner Fertigstellung 1912 an bis 1972 mit Kohle über ein Stichgleis vom ehemaligen Schwabinger Güterbahnhof durch die Heckscher Strasse quer über die Leopoldstrasse versorgt. Links die Baustelle des Holiday-Inn Hotels, das inzwischen schon wieder aberissen wurde, as time goes by....

Herzlichen Dank für die tollen Bilder von 1969 an Dieter Kubisch

Der ehemalige Übergang an der Leopoldstrasse läßt sich noch erahnen genau gegenüber des Knicks der heutigen Linie 23 nordwärts aus der Leopoldstrasse heraus. Auf dem Bild sieht man noch den damaligen Parkplatz des METRO-Markts, der dort damals stand. Diese Gegend ändert sich zur Zeit sehr schnell und sehr heftig.

Die Kreuzung 1969 und  2015

Die Züge wurden von einer Dampfspeicher-Lok  der Stadtwerke München gezogen, die ihre Füllungen aus dem Heizwerk des Krankenhauses bezog und damit einige Stunden abgasfrei zwischen den Wohnhäusern die Kohlewagen befördern konnte. 

Bei der Lok handelt es sich um eine Dampfspeicher-Lok der Fa. Krauss & Comp. München Baujahr 1912.

Dampfspeicherlok bedeutet, dass Dampf aus einer stationären Anlage (hier das Heizkraftwerk des Krankenhauses) mit hohem Druck zusammen mit heißem Wasser (auch aus dem Heizkraftwerk) in dem Kessel der Lok gespeichert wurde. Diesen so gespeicherten Dampf konnte man über längere Zeit genauso, wie in einer normalen Dampflok, zum Antrieb nutzen, da das heiße Wasser bei Entnahme von Dampf und damit leichtem Absinken des Drucks wieder neuen Dampf erzeugte. Bei der kleinen Lok konnte man damit sicher das Tagespensum zwischen Krankenhaus und Schwabinger Güterbahnhof mit den Kohlezügen bewältigen. Abends wurde die Lok dann an dem vorne sichtbaren Stutzen mit heißem Wasser und Dampf wieder aufgeladen. Im Lokschuppen befand sich der entsprechende Anschluß ans Heizkraftwerk.

Im übrigen war das ganze weniger dem Umweltschutz geschuldet, sondern ganz einfachen wirtschaftlichen Überlegungen. Dampf und heißes Wasser war im Heizkraftwerk sowieso vorhanden (wie auch bei großen Industriebetrieben, die auch oft Dampfspeicherloks einsetzten). Mit den Dampfspeicherloks ersparte man sich dann den Heizer, die Versorgung der Lok mit Kohle, das Ausschlacken und Löscheziehen nach dem Einsatz, die Entsorgung von Schlacke und Lösche und bei Dauerbetrieb das Durchheizen in der Nacht mit zusätzlichen Schuppenmännern, die nachts das Feuer erhalten mußten. Und wegen des fehlenden Feuers sind auch die bei Dampfloks aufwändigen Kesselreperaturen durch Abbrand oder Korrosion entfallen. Also ganz erhebliche Einsparungen an Personal, Material, Unterhalt und Wartung, wenn im Betrieb ausreichen Dampf und heißes Wasser vorhanden war. Unsere Vorväter waren schon auch nicht blöd.

Aber noch von 1983 - 88 hat das Werk Meiningen der DR 202 neue Dampfspeicherloks gebaut hauptsächlich für die DDR, aber auch für westliche Firmen, wie z.B. die österreichische OMV und das Großkraftwerk Mannheim. Und einige Dampfspeicherloks sind sogar noch heute in Betrieb.

Die Einfahrt ins Schwabinger Krankenhaus ist noch an einem Vorsprung in der Krankenhausmauer zu erkennen.

Die Heckscherstrasse hat an dieser Stelle noch die Form des damaligen Streckenverlaufs erhalten.  

Im April 2018 fanden hier Strassenbau-Massnahmen statt und die letzten Schienenreste der Schwabinger Kohle-Stichstrecke zum Schwabinger Krankenhaus kam wieder zum Vorschein. Inzwischen sind auch die letzten Schienenreste verschwunden.

Dort, wo heute die Tram-Linie 23 um die Ecke kommt, waren es bis in die Sechziger-Jahre die Kohlezüge auf der Stichstrecke vom Schwabinger Güterbahnhof. Kurios: 1969 deutlich die Baustelle des HolidayInn zu sehen, heute ist das wieder abgerissen und die aktuelle (2015) Baustelle an selber Stelle heisst "Schwabinger Tor" .

Im April 2018 sah es hier schon wieder ganz anders aus: die neue Trambahn-haltestelle entsteht.

Seit 2008 steht die tapfere Dampfspeicher-Lok im Nördlinger Eisenbahnmuseum. Sie ist eine Zeugin aus der Zeit, wo man nicht nur über den Umweltschutz sprach, sondern schon recht erstaunlich fortschrittliche Lösungen hatte.

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