TRIEBWAGEN TYP S VARIOBAHN

Gebaut von: Stadler

Die Münchner Variobahnen der Typen S 1.4 und S 1.5

 

Die Variobahn ist konstruktiv ein Multigelenkfahrzeug mit kurzen Gelenkwägelchen und dazwischen eingehängten Sänften. Entwickelt wurde sie ursprünglich von ABB/Henschel für Chemnitz mit Radnabensynchronmotoren. Nach der Auslieferung des Prototypen 1993 nach Chemnitz und eines weiteren Prototypen nach Duisburg, ging ABB/Henschel 1996 zusammen mit AEG in Adtranz auf. Adtranz lieferte dann weitere Variobahnen an Chemnitz, Sydney und Helsinki. Schon 2001 fusionierte aber Adtranz mit Bombardier. Aus kartellrechtlichen Gründen musste Bombardier die Produktion der Variobahnen abgeben und Stadler Pankow übernahm ihre Produktion.

Allerdings lieferte Bombardier die 83 meterspurigen Variobahnen für die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (ehemals OEG, Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg) noch bis 2013 aus. Die letzten beiden Lieferserien verfügen über Supercap-Energiespeicher Mitrac Energy Saver von Bombardier, die die Bremsstromrückgewinnung optimieren.

Stadler lieferte in Folge ab 2007 an Nürnberg, Bochum, München, Graz, Bergen (Norwegen), Potsdam, Mainz, London Croydon und jüngst an Aarhus (Dänemark) seine Variobahnen aus.

München wählte zusammen mit Nürnberg 2005 die Variobahn als Nachfolger der R3-Triebwagen, da letztere nicht mehr hergestellt wurden.

Als Nullserie bestellte München drei Triebwagen, welche wegen des unfallbedingten Ausfalls eines R2-Triebwagens auf vier Stück aufgestockt wurde. Die vier S 1.4 mit den Nummern 2301 – 2304 wurden 2009 geliefert, wurden aber zuerst von der Aufsichtsbehörde wegen des fehlenden rechnerischen Nachweises der Einhaltung des Lichtraumprofils und der Tragfähigkeit von Brücken auf den Trambahnlinien für die jetzt nur noch sechsachsigen Fahrzeuge (die etwa gleich großen R3 hatten acht Achsen) nicht zugelassen. Erst im Dezember 2009 erfolgte eine linienbezogene vorläufige Betriebsgenehmigung für die Linien 20, 21 und 19.

Wegen Schäden an den Fahrwerken wurde den S 1.4 dann im Juli 2010 die Betriebserlaubnis bis Dezember 2011 entzogen.

Ab Juli 2011 trafen bis Mai 2012 die zehn Serienwagen des Typs S 1.5 mit den Nummern 2311 – 2320 ein.

© Archiv FMTM eV.

Variobahn 2301 auf 'Klötzchenfahrt' zwischen den Haltestellen Domagkstraße und Anni-Albers-Straße in der Parkstadt Schwabing. Neben theoretischen Nachweisen zur Tauglichkeit der Fahrzeuge finden natürlich auch praktische Messfahrten im Netz statt. In den vergangenen Tagen wurde Variobahn 2301 an den Seiten mit Styroporklötzchen ausgerüstet, um den Abstand des Wagentyps zu den Bordsteinkanten zu messen. Das Fahrzeug fuhr dann innerhalb weniger Tage das gesamte Streckennetz ab. Besonders interessant war natürlich die Fahrt auf der Linie 23, haben sich die Wagen doch dort seit dem Eröffnungstag im Dezember 2009 nicht mehr blicken lassen.

Variobahn Fahrgestell mit Radnabenmotor ohne Getriebe und ohne Achsen

Aufnahme: Dieter Kubisch FMTM eV.

Im März 2012 wurden Schäden an den Elastomerelementen der damit gefederten Räder entdeckt. Nach einer erneuten Außerbetriebsetzung bis zum Austausch aller Elastomerelemente kamen die Variobahnen dann ab Sommer 2012 wieder mit einer nur verlängerten vorläufigen Zulassung in Betrieb. Erst ab 30.9.2013 erhielten die Variobahnen ihre unbefristete Betriebszulassung. Auf Grund dieser lang dauernden Inbetriebnahme entschied sich die MVG, die Option für weitere 8 Variobahnen nicht einzulösen, sondern stattdessen 8 Avenios von Siemens zu beschaffen.

Eine Sonderstellung hatte in den Jahren 2010 und 2011 der Wagen 2301 inne. Für die im Englischen Garten ohne Oberleitung geplante Nordtangente sollte der oberleitungslose Betrieb mit einer Zusatzbatterie erprobt werden. Dazu wurde der 2301 von der MVG an Stadler ausgeliehen und dort umgebaut. Auf der werkseigenen Teststrecke Henningsdorf-Velten (nordwestlich von Berlin) wurde am 25.5.2011 unter notarieller Aufsicht dann ein Weltrekord im Betrieb ohne Fahrleitung mit reiner Stromversorgung aus der Batterie mit 16 km Fahrtlänge aufgestellt und damit die Tauglichkeit für einen oberleitungslosen Betrieb im Englischen Garten eindrucksvoll bewiesen. Da eine maximale Batterielebensdauer nur bei Entladungen um 10 – 15 % gewährleistet wird, ist diese Voraussetzung bei der ca. 900 Meter langen oberleitungslosen Strecke im Englischen Garten mehr wie erfüllt.

Von den Fahrgästen werden die Variobahnen sehr geschätzt, da sie in den zwei Sänften die von den früheren M- und P-Wagen beliebte Reihenbestuhlung aufweisen und nicht die bei den R Wagen und den neuen Avenios wenig geschätzte Vis-a-vis-Bestuhlung. Auch die Anwohner der Trambahnlinien schätzen die Variobahnen, da sie sehr leise laufen ohne störenden Gesang der Wechselrichter. Nur bei den für München leider immer noch typischen Weichen und Kreuzungen mit Flachrillenherzstücken fallen die Variobahnen mit ihren großen ungefederten Massen der Radnabenmotoren durch erhöhte Geräuschpegel unangenehm auf.

© Archiv FMTM eV.

Variobahn

Typ: S 1.4

Betriebsnummer: 2301-2304

Stückzahl: 4

Hersteller: Stadler Rail

Baujahr: 2008

Variobahn

Typ: S 1.5

Betriebsnummer: 2311-2320

Stückzahl: 10

Hersteller: Stadler Rail

Baujahr: 2011

Als Serienausführung der Variobahn wurden dann 2011/2012 die zehn S 1.5 Nr. 2311-2320 geliefert. Aber auch mit ihnen gab es immer wieder Probleme, sodaßß die MVG auf eine Weiterbeschaffung der Serie verzichtete und auf den Siemens Avenio umstieg. Durch diverse Optimierungen laufen die Variobahnen inzwischen sehr ruhig und ihre Antriebe sind sehr leise. Nur auf Weichen und Kreuzungen mit Flachrillenherzstücken machen sich die relativ großen unabgefederten Massen der Radnabenmotoren unangenehm bemerkbar.

Die Variobahn zeigt sich nun bei der Einfahrt in die stadteinwärtige Haltestelle am Romanplatz vor der Christkönigkirche                   Bild: Frederik Buchleitner

Im Abendlicht nähert sich Variobahn 2314 in der Arnulfstraße vor der Kulisse der Frauenkirche der Haltestelle Marsstraße         Bild: Frederik Buchleitner

Erster Liniendienst für den umgebauten S-Wagen 2320 mit neuen Fahrgestell-verblendungen: Der Fünfteiler passiert das Stachus-Rondell und fährt Richtung St.-Veit-Straße

Bild: Klaus Werner

Autoren:              Klaus Onnich

& Gestaltung      Dieter Kubisch

                             Reinhold Kocaurek, alle FMTM e.V.

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