Betriebshöfe der Münchner Tram

Betriebshof  4 (neu) 

bis 1930  Betriebshof 8  

Soxhletstraße Nr.14

20.8.1913 – 15.6.1970

Zwei Wagenhallen, Werkstatt und Wohn- und Verwaltungsgebäude

1930 dritte Wagenhalle

Im Krieg nur sehr gering zerstört und bis 1950 alle Kriegsschäden behoben. Neubau von Wasch- und Wartungshalle nicht mehr ausgeführt, da Stilllegung bis spätestens zur Olympiade geplant.

Franz von Soxhlet,

* 13.1.1848 in Brünn; † 5. Mai 1926 in München, war ein deutscher Agrikultur-Chemiker. Franz von Soxhlet gilt als Pionier der Pasteurisierung von Milch.

© Archiv FMTM eV.

Tw 271, Typ A 2.2, Baujahr 1901, steht im Torbogen des Depots im April 1958.

Aufnahme: Peter Wagner

Die Trambahn AG beschloß schon im Jahr 1897 im Rahmen der Elektrifizierung der Münchner Trambahn einen neuen Betriebshof an der Ungererstraße zu bauen, da der Betriebshof an der Wilhelmstraße schon Ende des 19. Jahrhundert zu klein war und nicht mehr zu erweitern war wegen der dichten Bebauung in Schwabing. 1911 wurde dieser Betriebshof an der Ungererstraße in der Soxhletstraße von den Gemeindegremien genehmigt und die Mittel dafür freigegeben. 

Durch die Ungererstraße ging damals schon eine zweigleisige elektrifizierte Strecke bis zur 1900 erbauten zur Aussegnungshalle des Nordfriedhofs.

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1910 steht der TW 268 am Nordfriedhof. Im Hintergrund sieht man die Gärtnerei Brandl, die es heute noch an dieser Stelle gibt.

1912 Stadtplan Bauplatz Soxhletstrasse

Bauplatz

Betriebshof

Stadtplan mit Trambahnstrecken von 1912: die Linie durch die Leopoldstraße kommend verzweigt sich an der Münchner Freiheit einmal weiter zur Parsivalstraße und Kölner Platz und zum anderen zum Nordfriedhof. Hinter dem Ungererbad war der Bauplatz für's Depot.

Im Juli 1912 werden die Pläne des Architekten Rehlen für den neuen Betriebshof ausserhalb der Stadt an der Ungererstraße vorgelegt und am 16.12.1912 auch genehmigt. Die Baukosten werden ohne weitere Diskussion vom Magistrat durchgewunken. Am 20. August 1013 war dann Betriebsbeginn im neuen Bahnhof 8 der Münchner Trambahn.

© Stadtarchiv München

© Stadtarchiv München

Was hier im Plan als "kleine Halle" bezeichnet wird, ist eine recht stattliche überbaute Fläche mit 90m Länge für 36 Triebwagen und Beiwagen und eine Werkstatt.

Bauplan Betriebshof Soxhletstraße 1912 trambahn tram münchen

Der Grundriß der ersten Bauphase 1912 des Betriebshofs an der Soxhletstraße erklärt die beiden verschieden langen Gebäude und die für diesen Betriebshof so typischen Durchfahrtstore. Der Betriebshof hatte 2 viergleisige Hallen, eine 90m lang für 36 Wagen und die andere 110m lang 44 Wagen. Doch das reichte schon bald nicht mehr.

© Stadtarchiv München

Der TW 189 auf Einrückfahrt der Linie 26 auf der Ungererstraße stadteinwärts mit der Abzweigung in die Soxhletstraße im Hintergrund.

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Bauplan Betriebshof Soxhletstraße 1929 Trambahn tram München

© Stadtarchiv München

Der Grundriß zeigt die erste Erweiterung des Depot an der Soxhletstraße aus dem Dezember 1929: es wurde von den Herren Beblo & Meitinger eine weitere diesmal 95m lange viergleisige Wagenhalle angebaut. Dafür wurde der alte Quertrakt abgerissen und in den neuen Süd-Ost-Trakt des Gebäudes verlegt. Nach den 1930 abgeschlossenen Erweiterungsarbeiten wurde der Betriebshof in der Wilhelmstraße aufgelassen und der Betriebshof in der Soxhletstraße bekam dessen Betriebshofnummer 4.

© Stadtarchiv München

1930-11-11_Gleisplan_Soxhletstraße Unser Gleisplan ist auf das Jahr 1930 datiert und zeigt die nun drei großen Hallen

© Stadtarchiv München

© Archiv FMTM eV.

Unser Gleisplan ist auf das Jahr 1930 datiert und zeigt die nun drei großen Hallen, die Werkstätten und das freistehende markante Betriebsgebäude, heute als "Walmdachhaus" erhalten & bekannt.

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Den Weltkrieg überstand der Betriebshof an der Soxhletstraße fast unbeschädigt, die notwendigen Dachreparaturen wurden bis 1949 erledigt.

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D 1.4-Tw 519 im Freigelände des Betriebshof 4 zur Reparatur nach einem Unfall Juni 1945.

Ein Blick in die Werkstatthalle mit  Tw 104, Typ H 1.32 ("Mailänder")  am 19. Mai 1950.

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Das Jahr 1950 brachte noch eine letzte Erweiterung der Sozialräume durch Aufstockung und Neuaufteilung.

Die geplante Waschanlage wurde nicht mehr verwirklicht, weil die Planungen der neuen U-Bahn in den 60er-Jahren in dem Umfeld des Betriebshofs keinen Trambahnbetrieb mehr vorsahen.

Das Jahr 1950 brachte noch eine letzte Erweiterung der Sozialräume durch Aufstockung und Neuaufteilung Tram Trambahn München

© Stadtarchiv München

Aus der Mitteldurchfahrt des Depots kommt der A-Tw 271 am April 1958, eingefangen von allen Seiten von unserem Fotografen Peter Wagner.

© Archiv FMTM eV.

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Die kleine Fahrzeugparade am 4. Juli 1958: Triebwagen 873 (M 3.64), TW 271 (A 2.2), TW 659 (F 2.10) und der TW 445 (D 6.5) im Depot an der Soxletstraße. das bis dahin einzige Umfahrungsgleis an der Westseite des Depot sollte nun bald um eine größere Freifläche zum Aufstellen der Wagen erweitert werden.

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Am 29. September 1969 stehen der M3_m3-Zug 833/1697 der Linie 8 und der D6_f1-Zug 480/1352 der Linie E6 auf der Freifläche westlich des Depot an der Soxhletstraße

© Archiv FMTM eV.

© Archiv FMTM eV.

Der Fotograf Ulrich Theurer fing 1963 den G-Tw 681 als ersten in einer langen Aufstellungsreihe auf dem Frei-Gelände des Betriebshofs 4 an der Soxhletstraße ein.

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E1-Tw 589 im Betriebshof Soxhletstraße mit Zügen der Linien 28 und E17 aufgenommen am 16.6.1962.

Ab 30.01.1965, als in der südlichen Ungererstraße der U-Bahnbau die Trambahn verdrängte, ging die Zufahrt via einer Ersatztrasse durch die Berliner Straße (in der heute noch alte Fahrleitungsmasten stehen)  zur Leopoldstraße. Dazu wurde das Depot an der Soxhletstraße von Westen her angebunden bis zu seiner Auflassung.

Ein M5/m5-Zug der Linie 6 am nördlichen, nicht asphaltierten Ende der Berliner Straße unterwegs stadteinwärts: unten ist das Abzweige-Gleis zum Depot zu sehen und äußerst kurios eine Ampelanlage zum kreuzenden Bahngleis der Werksbahnanbindung der Lokomotiv-Fabrik Maffei, stillgelegt schon im Jahr 1937 - Sentimentalität unter Schienenfahrzeugen....

© Archiv FMTM eV.

© Archiv FMTM eV.

Soxlhetstrasse  Streckenplan 1967 mit Umfahrung Linie 6 Tram Trambahn München

© Archiv FMTM eV.

1965 dezember Soxlhetstrasse 1965 Stromversorgung Tram Trambahn München

Ab dem 14.08.1967 verschwand auch die Umleitungsstrecke der Linie 6 durch die Berlinerstraße, der Anschluß des Betriebshof 4 blieb jedoch von der Leopoldstraße aus erhalten.

© Archiv FMTM eV.

Rangierarbeiten auf dem Betriebshof 4 an der Soxhletstraße: im Bild Richtung Norden auch das markante Schulgebäude an der Fröttmanningerstraße, dazwischen der heutige Mittlere Ring, damals noch die Schenkendorfstraße mit fast ländlichem Charakter.

© Archiv FMTM eV.

Da die Zufahrt in den Betriebshof durch die Ungererstraße geschlossen wurde, errichtete man durch die,Berliner Straße eine neue Betriebsstrecke zur Leopoldstraße und drehte die Gleisharfe dafür in westliche Richtung (vergleiche Plan 1930).

 1967 

 1930 

© Dieter Kubisch FMTM eV.

M5-Tw 978 + m5-Bw 1805 steht im Jahr 1964 im Betriebshof 4, im Hintergrund die Aussegnungshalle der Nordfriedhofs.

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© Reinhold Kocaurek FMTM eV.

Die Berlinerstraße 1970 mit der neuen Bebauung und der Oberleitung.

P3-Tw 2005+p3-Bw 3005 steht am 20.4.1968 im Betriebshof Soxhletstraße dort, wo heute die Berlinerstraße entlang geht.

© Archiv FMTM eV.

P3-Tw 2005+p3-Bw 3005 vor dem Betriebshof Soxhletstraße am 20.4.1968.

© Archiv FMTM eV.

Die neue U-Bahn kommt!

1967 schrieb das Depot an der Soxhletstraße ein letztes Mal Geschichte: per Tieflader kam vom Schwabinger Güterbahnhof keine 500 Meter weiter der erste U-Bahnwagen in München an.

© Archiv FMTM eV.

Das Gelände des Betriebshof 4 an der Soxhletstraße wird immer mehr zum Abstellplatz für Altwagen: am 20. April 1968 stehen neben vielen anderen Wagen auch der   f-Beiwagen 1358, 1399 und 1356 sowie der g-Beiwagen 1451 auf den weitläufigen Gleisanlagen.

© Archiv FMTM eV.

Am 15.Juni 1970 wurde der Betriebhof 4 an der Soxhletstraße geschlossen. Er wurde noch zweimal für Busbetrieb umgebaut, die meisten Gruben aufgeschüttet und die Räume neu eingeteilt.

In einer der Hallen des Betriebshofs hatte der Trambahnfreund Johann Pollitzer noch bis zum Abbruch der Hallen im Jahr 1982 zwei von ihm gekaufte Trambahnzüge untergestellt, nämlich die beiden E-Triebwagen 539 und 624 sowie die beiden g-Beiwagen 1456 und 1472. Das Gelände war ursprünglich für einen seiner Zeit geplanten dritten Omnibusbetriebshof der Stadtwerke vorgesehen, man entschied sich allerdings Ende der 1970er Jahre anders und verwirklichte auf seiner Fläche das Stadtviertel „Schwabing am See“.

 

Heute ist fast nichts mehr vorhanden, dort steht jetzt die Siedlung Schwabing am See. Einziges Relikt des Betriebshofs 4 ist das Gebäude des Nachbarschaftstreffs "Walmdachhaus" an der Theodor-Dombart-Straße 9. Das war das ehemalige Wohn- und Verwaltungsgebäude des Betriebshofs 4.

Aufnahme 2014: Reinhold Kocaurek FMTM eV.

1981 Abbruchgenehmigung Abbruchgenehmigung für das Depot an der Soxhletsraße im Original aus dem Jahr 1981 Trambahn Tram München

© Stadtarchiv München

Der Ordnung halber auch noch die Abbruchgenehmigung für das Depot an der Soxhletsraße im Original aus dem Jahr 1981.

Fotomontage einst & jetzt: die genaue Lage des Depots an der Soxhletstraße 1965. Es ist schon die U-Bahnbau-Umfahrung der Linie 6 deutlich oben zu erkennen und unten die Zufahrtsgleise durch die Soxhletstraße zur Ungererstraße.    (Montage GoogleEarth/Reinhold Kocaurek)

Text & Recherche: Online-Team FMTM eV.

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